...OUT LOUD!

„Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.“

Karl Valentin

Wissen vermitteln – Ein Mini-Train-the-Trainer


„Du kennst dich doch da gut aus. Kannst du das den anderen nicht mal zeigen?“ Kommen auch Sie manchmal auf diese Art dazu, Ihre KollegInnen zu briefen? Dann sind Sie in guter Gesellschaft: Deutsche Unternehmen bauen überwiegend auf diese Form von Inhouse-Expertise. Das Problem nur: Allzu oft fehlen die Methoden, Wissen gut zu vermitteln. Abhilfe schafft 4MAT®. Ein Mini-Train-the-Trainer.


Wer jemals einen Workshop oder eine Schulung vorbereitet und gehalten hat, weiß: Wissen an den Mann oder die Frau zu bringen kann ganz schön schwer sein. Wie lassen sich die vielen Inhalte am besten vermitteln? Wie hole ich alle Teilnehmer und Zuhörer ins Boot?

Wenn es darum geht, Wissen und Informationen zu vermitteln, bietet die Methode 4MAT® eine große Hilfe. Mit ihr lassen sich Inhalt und Struktur eines Vortrags, eines Workshops oder auch einer Präsentation auf jedes Publikum gut anpassen. Das 4MAT®-Trainingsdesign ist nachvollziehbar, eingängig, leicht zu lernen und nicht nur für Profis bestens geeignet, sondern auch für „Gelegenheits-Trainer“ (/1/).

Grundsätzlich geht die Methode davon aus, dass vier verschiedene Lerntypen bzw. –stile existieren. Diese sind zu unterschiedlichen Anteilen in jedem Menschen angelegt, wobei jeder eine eindeutige Präferenz hat:

Why

Menschen, die hauptsächlich mit diesem Lernmuster ausgestattet sind, stellen beim Lernen die Frage, warum sie sich mit diesem Thema befassen sollen. Bekommen sie darauf keine Antwort, hat das Thema keine Relevanz für sie und so fehlt Ihnen die Lern-Motivation. Das führt im schlimmsten Fall dazu, dass sie die Informationsaufnahme komplett verweigern.

What

What-Lerntypen sind in jedem Fall theorielastig, universell interessiert, detailversessen. Sie brauchen möglichst viele, genaue Informationen und Hintergrundinformationen. Andernfalls sind sie schnell gelangweilt und schalten ab.

How-to

Menschen mit How-To-Lernmuster möchten selbst ausprobieren. Sie lernen am besten, indem sie Neues selbst tun und so ihre eigenen (Lern-) Erfahrungen machen.

What-if

Diese Menschen sind die „unternehmerisch“ denkenden Menschen. Sie fragen, was sie mit dem Lernstoff zusätzlich anfangen können. „Welchen Zusatznutzen hat das Thema für mich, meine Kollegen oder die Prozesse?“ Dabei werden sie auch kreativ und denken über Modifikationen nach.

Zwar wissen wir oft, wer an den Schulungen teilnimmt. Es ist aber nur schwer möglich, vor der Veranstaltung einzuschätzen, wer im Publikum welchen Lernstil bevorzugt. Wüssten wir das, könnten wir leicht entscheiden, ob z.B. ein theoretischer Vortrag richtig für die Gruppe ist oder ein Hands-On-Workshop. Da alle Menschen aber ohnehin mit allen vier Lernstilen ausgestattet sind – nur eben mit unterschiedlichen Ausprägungen – ist hilfreich, wenn Sie im Zuge der Veranstaltung alle vier Lernstile ansprechen. Die 4MAT®-Methode arbeitet hier mit einem „Lernzirkel“, der die Stile der Reihe nach abschreitet:

1

Why – Motivation (Engage): Warum soll ich mich damit befassen?
In diesem ersten Schritt geht es darum, die Teilnehmer zum Lernen-Wollen zu bringen. Beantworten Sie hier die Fragen, um was es geht und vor allem (!) warum das Thema für das Publikum/die Organisation/den Einzelnen wichtig ist! Je emotionaler Ihnen die Ansprache gelingt, desto mehr Aufmerksamkeit werden Sie in der Gruppe haben. (Hilfreich und besonders effektiv ist hier die Werte der Gruppe anzusprechen – sofern Sie sie kennen.)

2

What – Information (Share): Um was geht es genau?
Der theoretische Input mit Informationen findet statt. Hier ist Ihre inhaltliche Autorität, Ihre „Expertenmeinung“ gefragt. Wichtig ist, dass Sie ausbalancieren, wieviel Information Sie in die Gruppe „kippen“: Bei zu wenig schalten die informationshungrigen What-Typen ab, bei zu vielen Informationen verlieren Sie die praktischen How-To-Typen.

3

What-if – Übungsteil (Practice): Lass mich mal ran!
Hier lassen Sie die Gruppe ausprobieren. Der Gruppen-Spirit sollte jetzt sein: „Jetzt versuchen wir es exakt so, wie es uns der Experte sagt.“ In Seminaren werden Sie an diesem Punkt z.B. Rollenspiele, Gruppenarbeiten oder Diskussionen machen. In System-Schulungen klicken die Nutzer durch das Programm. Haben Sie keine Möglichkeit für einen Praxisteil, stellen und behandeln Sie zumindest die Frage: „Wie sieht das in der Praxis aus?“

4

How- to – Transfer (Perform): Wie bringt mich das weiter?
Am Ende im Lernzirkel stellt sich (soll heißen: stellen Sie) die Frage: „Was fangen Sie/wir mit dem Gelernten in Zukunft an? Wie können Sie/wir das Gelernte integrieren?“ Das Motto der Gruppe ist jetzt idealerweise: „Und jetzt versuche ich es auf meine/unsere Art und Weise!“ Der Effekt ist, dass Ihr Publikum zum Abschluss für sich selbst verinnerlicht, was es gerade gelernt hat. Zum anderen wird das Gelernte gedanklich in die Zukunft und in die eigenen Abläufe projiziert. Das ist eine Mentaltechnik und sorgt dafür, dass gerade Gelerntes noch einmal mehr verankert wird.

Wenn Sie in diesen vier Schritten vorgehen, machen Sie sich gleich mehrere hilfreiche Wirkweisen zunutze: So ist z.B. belegt, dass Lernerfolg nur dann dauerhaft ist, wenn wir emotional engagiert sind, wir beim Lernen einen Grund oder Sinn für uns persönlich erkennen. Das wird im Why-Schritt sichergestellt. Außerdem bedeutet Lernen, dass Verschaltungen, also Synapsen im Gehirn gebildet werden. Je öfter das Gehirn mit Neuigkeiten versorgt wird, desto besser sind diese Verschaltungen. Auch das stellen Sie sicher, indem Sie den Kreis des Modells folgen. Denn so beschäftigt sich Ihr Publikum mehrmals und jeweils auf sehr unterschiedliche Art und Weise mit Ihren Inhalten.

Ursprünglich wurde 4MAT® für die Erwachsenenbildung entwickelt. Anwendbar ist es aber überall, wo es darum geht, Informationen zu überbringen und (Re-) Aktionen möglichst nachhaltig anzustoßen. Also z.B. in E-Mails, Berichten, Reden, in Sitzungen, Kundengesprächen und Telefonaten. Im Zentrum stehen die Fragen „Warum ist ein Thema wichtig für den Empfänger?“, „Um was geht es im Detail?“ und „Welche Praxisrelevanz hat das Thema?“. In jeder gelungenen Kommunikation werden diese Fragen gestellt – und auch beantwortet.


 

Links & Literaturhinweise

  • /1/ McCarthy, Bernice, O’Neill-Blackwell, Jeanine: Hold On, You Lost Me! Use Learning Styles to Create Training That Sticks. American Society for Training and Development, 2007
  • /2/ McCarthy, Bernice, McCarthy, Dennis: Teaching Around the 4MAT® Cycle: Designing Instruction for Diverse Learners with Diverse Learning Styles: Corwin Press, 2005
  • /3/ Vigenschow/Schneider/Meyrose: Soft Skills für Softwareentwickler. Heidelberg: Dpunkt.Verlag, 2011, S. 131ff. und 320ff.
  • /4/ www.aboutlearning.com